Visuelle Werkzeuge – Workshop 05

Workshop 05 – Belichtung: Optimieren Sie Ihre RAW-Bilder

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Das RAW-Bild ist im Gegensatz zum JPG ein unbearbeitetes, nicht entwickeltes Bild – wie der Name schon sagt ROHdaten. Beim JPG aus der Kamera legen wir in der Kamera ein paar Parameter (Schärfe, Kontrast, Farbsättigung, Farbton) fest, mit denen dann alle Bilder entwickelt werden. Das ist wie kochen mit Tütensuppe – jedes Bild bekommt die gleiche Menge Gewürze ab. Individuell geht anders – daher sollen wir uns jetzt mit RAW beschäftigen.

Zum einen geht es darum ETTR – Exposure To The Right – zu belichten. Wieso, weshalb, warum erklärt das folgende Video hier sehr gut!
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Unsere Aufgabe ist es so weit wie möglich nach rechts – zu den Lichtern hin – zu belichten und wenn der Dynamikbereich so groß ist, dass das Histogramm im Schwarz absäuft, dann ist das einfach so. Ausgefressene Lichter sind schlimmer als abgesoffenes Schwarz. Zeichnung in den Lichtern ist wichtiger als Details im schwarzen Bereich. Man könnte für die Details im Schwarz in diesem Fall ein 2. Bild machen, wobei man dann auf die richtige Belichtung dieser Bereiche achtet und die beiden Bilder später miteinander verrechnet – HDR oder Exposure Blending. Manchmal hilft ein Blitz oder auch ein Grauverlaufsfilter um Bereiche im Bild aufzuhellen oder abzudunkeln.

Mit eingeschalteter Überbelichtungswarnung geht es nun ans Fotografieren. Wobei die Blinkies, die uns in der Kamera angezeigt werden, das JPG beurteilen und nicht das RAW und daher sind ein paar blinkende Stellen durchaus ok und können im RAW-Konverter zurück gewonnen werden. Wie viel muss man selber einfach mal ausprobieren. Sich das Histogramm in der Kamera anzusehen hilft da schon viel mehr. Und genau das machen wir auch.

Jetzt stellt sich mir aber die Frage – wäre ein JPG aus der Kamera nicht ausreichend – kann ein RAW mehr? Was kann es mehr? Komme ich damit zu einem besseren Ergebnis? Also habe ich mal einen Vergleich gemacht:
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Das farbige RAW ohne Entwicklung



Hier sieht man sehr gut, dass die Details in dem Bild doch sehr matschig sind – das Bild ist laut Histogramm gut belichtet. Es ist halt wenig Weiß im Bild, also gibt es auch nicht so viele „Berge“ auf der rechten Seite des Histogramms. Mir persönlich gefällt die Blüte so nicht – sie könnte bessere Details zeigen und insgesamt ist mir das Bild zu wenig aufs das gerichtet, was ich zeigen wollte.

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Das entwickelte farbige RAW
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Das Bild sollte insgesamt mehr den Fokus auf der Blüte und den Spitzen, die da nach oben ragen haben. Auch sollte der HG etwas marmorierter sein. So habe ich das Bild vor Ort gesehen und dahingehend entwickelt.
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Das s/w-Bild aus der Kamera
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Hier habe ich das RAW (siehe das erste Bild) einfach nur in S/W umgesetzt. Dazu einfach in LR auf S/W gedrückt. Es ergibt sich das gleiche Problem wie schon beim farbigen, unentwickelten RAW-Bild. Matschig und undefiniert.
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Das aus dem farbigen RAW entwickelte S/W
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Hier ist das entwickelte S/W – RAW-Bild.  Bei allen Bildern, die ich entwickelt habe, hatte ich das Histogramm im Blick und darauf geachtet, dass weder die Tiefen absaufen noch die Lichter überstrahlen. Also das Histogramm rechts oder links anschlägt. Wichtig war mir die Blüte zu „entmatschen“ und den Blick des Betrachters auf sie und die Knospen zu lenken. Der marmorierte Hintergrund war mir dabei auch wichtig , weil dieser, wie auch die Blüten/Knospen, ein Dreieck bildet. Dreieck? Was sieht sie jetzt wieder … – hier habe ich die Dreiecke, die ich sehe, mal eingemalt.
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Und noch einmal der Vergleich zwischen dem RAW – und dem s/w-JPG aus der Kamera und dem entwickelten Farbbild  (links RAW und rechts entwickeltes RAW)

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Und das gleiche noch einmal in S/W (links JPG aus der Kamera – aus RAW entwickeltes S/W) Hier sieht man sehr gut, dass obwohl das RAW richtig belichtet ist – keine Überstrahlung im Himmel, dass s/w-JPG sehr wohl den Himmel überstrahlt hat. In dem entwickelten Farbbild und auch im entwickelten S/W-Bild hat der Himmel Details.

 

 

Im nächsten Workshop geht es um das Belichtungsdreieck – Zeit/ISO/Blende –  und dieses zu beherrschen.

Erscheint am 25.08.2017

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Was Bee für den Workshop 5 erarbeitet hat, findet ihr in ihrem Beitrag wenn ihr auf das folgende Bild klickt.
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Zu Bee.

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Altere Beiträge


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Visuelle Werkzeuge Birgit Bee
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3 Comments:

  1. Paleica Juli 05, 2017 Reply

    puh also ich gestehe, dass das sphären in der fotografie sind, für die ich mir schlicht keine zeit nehme, obwohl das natürlich im grunde oft sinn machen würde. aber ich habe schnell das gefühl, dass mein auge dadurch getrübt und meine gehirnwindungen verknotet werden 😉

    1+

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    • avatar
    • Seh-N-Sucht Juli 05, 2017 Reply

      Ja, Paleica, es kann sein, dass es zunächst erst mal „ausbremst“, aber auf lange Sicht wird es wieder zur Normalität und dann ist es so als wäre es nie anders gewesen, aber du hast viel mehr Möglichkeiten mit den Bildern. Ich habe das mit einer Freundin mit einer alten 400D mal durchgespielt, wenn sie die ISO höher einstellt und dafür nach rechts belichtet dann rauschen die Bilder hinterher weniger als wenn sie so wie immer mit Luft nach rechts belichtet und nachträglich heller macht. Es nutzt auch immer die ISO hoch zu stellen und dafür dann eine Belichtungszeit zu haben, die ein Verwackeln nahezu unmöglich macht, oder dadurch eine besser Blende einstellen zu können…

      Man muss alles irgendwann üben. Auch Schreibschrift schreiben lernen ging am Anfang langsam und hat dich „ausgebremst“ – Tastaturschreiben – ja – am Anfang ist es wahnsinnig langsam … irgendwann schreiben die Finger genau das, was Du denkst – viel schneller und besser als das Adlersuchsystem… Autofahren klappt in der ersten Fahrstunde auch nicht so gut … Ein Instrument lernen – Noten lesen und mit den Fingern die richtigen Position finden – Erfahrung und Übung und du denkst gar nicht mehr darüber nach und Beine und Arme machen das, was sie sollen.

      Genauso ist es mit der Belichtung auch. Anfangs stehst du da – Grau – Heller oder dunkler? – Waage nach rechts oder links bewegen? Irgendwann geht das wie mit der Schreibschrift, den Tasten, dem Autofahren von ganz allein … und dann, dann hast Du einen Vorteil davon.

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